Internationaler Gerichtshof
Was ist der IGH?
Der Internationale Gerichtshof (IGH) ist das Hauptrechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen und hat seinen Sitz im Friedenspalast in Den Haag, Niederlande.
Gegründet wurde er 1945 um Streitigkeiten zwischen Staaten beizulegen und das Völkerrecht zu interpretieren. Der IGH setzt sich aus 15 Richtern zusammen, die für eine Amtszeit von neun Jahren gewählt werden. Seine Zuständigkeit erstreckt sich auf eine Vielzahl von Rechtsgebieten, darunter territoriale Streitigkeiten, Menschenrechtsfragen und völkerrechtliche Verträge. Als unabhängiges Organ spielt der IGH eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Friedens und der Sicherheit auf internationaler Ebene durch die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zwischen Staaten.
Themen
Rechtsgutachten: Russische Schattenflotte und die Grenzen des Seerechts
Sanktionsregime sind nur so stark wie ihre Durchsetzung. Die sogenannte „russische Schattenflotte“ – Schiffe mit verschleierten Eignerstrukturen, manipulierten AIS-Daten und dubioser Versicherungslage – nutzt die Freiheit der Meere systematisch zur Umgehung internationaler Zwangsmaßnahmen.
Der IGH steht vor der Aufgabe, das Spannungsfeld zwischen der Souveränität des Flaggenstaats und der effektiven Rechtsdurchsetzung (Enforcement) neu zu vermessen.
Die juristischen Kernfragen:
- Interventionsrechte: Unter welchen engen Voraussetzungen erlaubt das Völkergewohnheitsrecht den Zugriff auf Schiffe in internationalen Gewässern (Boarding/Festsetzung)?
- Flaggenstaatprinzip vs. Missbrauch: Wann verwirkt ein Schiff den Schutz seines Flaggenstaates?
- Umweltschutz als Hebel: Können Küstenstaaten unter Berufung auf drohende Umweltkatastrophen (durch marode Tanker) präventiv eingreifen?
South Africa v. Israel – Anwendung der Völkermordkonvention
Die Klage Südafrikas gegen Israel markiert einen der komplexesten Fälle in der Geschichte des IGH. Es geht nicht nur um die politische Bewertung eines Konflikts, sondern um die strikte juristische Subsumtion unter den Tatbestand des Völkermordes, insbesondere den Nachweis des dolus specialis (Zerstörungsabsicht).
Die Simulation gliedert sich in zwei prozessuale Phasen:
Phase 1: Das Hauptverfahren: Eine tiefgehende Prüfung der materiellen Rechtslage. Wie verhält sich das Recht auf Selbstverteidigung zu den Pflichten aus der Völkermordkonvention? Wo liegen die Beweismaßstäbe in asymmetrischen Konflikten?
Phase 2: Die Beihilfe-Frage (Drittstaatenverantwortlichkeit): In einem fiktiven Folgeszenario gerät Deutschland in den Fokus. Begründen Waffenlieferungen und diplomatische Unterstützung in Kenntnis potenzieller Völkerrechtsverstöße eine Beihilfe zum Völkermord? Hier wird die Reichweite der State Responsibility für Drittstaaten verhandelt.
3. Hybride Kriegsführung: Das Völkerrecht in der Grauzone
Moderne Konflikte meiden oft die offene Feldschlacht und verlagern sich in den Bereich der Cyberoperationen, Desinformation und Sabotage kritischer Infrastruktur. Diese „hybride Kriegsführung“ zielt darauf ab, unterhalb der Schwelle eines klassischen Krieges zu bleiben und rechtliche Grauzonen auszunutzen.
Der IGH muss klären, ob und wie das auf physische Gewalt ausgerichtete Völkerrecht (UN-Charta) im digitalen Raum anwendbar ist:
Attribuierungsproblematik: Nach welchen Standards können Cyberangriffe nicht-staatlicher Akteure einem Staat rechtssicher zugerechnet werden?
Gewaltverbot und Art. 51 UN-Charta: Ab welchem Schadensausmaß gilt ein Cyberangriff als „bewaffneter Angriff“, der das Recht zur militärischen Selbstverteidigung auslöst?
Souveränitätsverletzung vs. Intervention: Wo verläuft die juristische Grenze zwischen zulässiger Einflussnahme und völkerrechtswidriger Einmischung?
Ausschussvorsitzende
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Aakarshan Sood
Hallo liebe SPUNer,
ich darf mich freuen euch nun zum dritten Mal beim Internationalen Gerichtshof (IGH) begrüßen zu dürfen!
Erstmal zu meiner Person:
Ich heiße Aakarshan Sood, bin 18 Jahre alt, und mache dieses Jahr meinen Abschluss am United World Robert Bosch College, ein Internat in Freiburg. Zudem engagiere mich im Düsseldorfer Jugendrat und bin in der SV in meiner Schule als Schülersprecher tätig. Des weiteren bin ich Teil des Debattier-Teams meiner Schule.
Meine Freizeit ist auf einem Internat zum Großteil von meiner Schule vorgegeben, wir gehen oft schwimmen, besuchen den Wald unserer Schule, gehen ins Theater, oder haben andere Schulveranstaltungen.
Ich bin mir sicher, dass der IGH dieses Jahr wieder besonders interessant sein wird, da es hoffentlich viele interessierte Richter geben wird. Hoffentlich werden wir uns mit Streitigkeiten der Sitzungswoche beschäftigen, aber für den Fall der Fälle, haben wir noch etwas in der Hinterhand für euch geplant.
Den IGH gab es sehr lange Zeit nicht mehr. Dieses Jahr ist das dritte in welchem er von mir geleitet wird nach der Wiederbelebung.
Ich erhoffe mir, dass er wieder genauso interessant wie die letzten Jahre wird!
Bis dann : )
Aakarshan Sood
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Julius Fuhrmann
Servus zusammen,
Ich bin Julius, 17 Jahre alt und komme aus Bonn, der meiner Meinung nach schönsten Stadt
am Rhein, aber da scheiden sich ja bekanntlich die Geister dran.
Ich bin passionierter Leser, zertifizierter Laberkopf und ganz generell sehr begeisterungsfähig
für Dinge, die das Leben so bereithält. So bin ich übrigens auch vor nicht ganz einem Jahr zu
SPUN gekommen.
Dort sah ich mich als Delegierter des Staates Israel in der Generalversammlung, mit Themen
wie „Pressefreiheit in Kriegsgebieten“ konfrontiert und konnte als Vertreter einer
ultranationalistischen, rechtsradikalen Regierung seeehr tief in die (diplomatische) Trickkiste
greifen. Wenig später fand ich mich dann auch schon vor dem IGH wieder, genau genommen
als Vertreter des beklagten Staates Israel in einem Prozess wegen eines „angeblich“
völkerrechtswiedrigen Angriffskrieges. So bin ich dann ganz unverhofft beim IGH gelandet.
Bei SPUN 2026 freue ich mich nun darauf, alle zukünftigen Richter*innen als Co-Vorsitzender
des Internationalen Gerichtshofs begrüßen zu dürfen. Noch viel mehr bin ich gespannt auf
eure Auslegung des Völkerrechts, eure Argumentationslinien und eure juristischen
Winkelzüge.
Kurz gesagt: Ich freue mich auf intensive Verhandlungen, spannende Debatten und einen
IGH, der es in sich hat.
Bis zur Sitzungswoche in Bonn
Julius
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Matthias Bujtor
Guten Morgen,
ich bin Matthias Bujtor, Jahrgang 2008, und besuche derzeit die 12. Klasse des Amos-Comenius-Gymnasiums in Bonn. Für mich ist es eine echte Ehre, dieses Jahr den IGH mitleiten zu dürfen - gerade jetzt, wo das internationale Rechtssystem an allen Ecken und Enden bedrängt wird. Ich finde: Wir dürfen nicht aufgeben, sondern müssen kämpfen.
Die Frage nach Recht und Unrecht begleitet mich eigentlich schon immer. In der dritten Klasse war meine Lieblingslektüre das Grundgesetz. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit dem US-amerikanischen Rechtssystem auseinandergesetzt (ein ziemlicher Kontrast zum deutschen Recht, wenn auch in der eigenen Logik hauptsächlich schlüssig), was mir gezeigt hat, wie vielschichtig juristisches Denken sein kann. Genau dieser Reiz zieht mich auch zum IGH: Hier müssen die unterschiedlichsten Rechtssysteme zusammengebracht werden (oder es zumindest versucht werden).
Bei SPUN bin ich 2025 das erste Mal dabei gewesen und mit der Delegation Israel sofort ins kalte Wasser gesprungen. Die Sitzungswoche war intensiv, aber vor allem das Verfahren, das wir mit dem Iran auszufechten hatten, ist mir hängengeblieben. Da habe ich gemerkt, was juristisch (tatsächlich) möglich ist.
Für 2026 ist mein Ziel klar: Ich will, dass der IGH nach dem diesjährigen Motto agiert: „Reden ist Silber, Schweigen keine Option." Ich freue mich auf eure Auslegung des Völkerrechts, auf eure Argumentationslinien und darauf, den IGH gemeinsam mit euch so richtig lebendig zu machen.
Kurz gesagt: Ich freue mich auf intensive Verhandlungen und einen IGH, der es in sich hat.
Bis zur Sitzungswoche in Bonn!
Matthias
P.S.: Wer Bier wirklich gerne trinkt, weil es schmeckt, trinkt alkoholfrei.


